{"id":830,"date":"2024-03-12T08:27:18","date_gmt":"2024-03-12T08:27:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/?p=830"},"modified":"2024-03-12T08:27:18","modified_gmt":"2024-03-12T08:27:18","slug":"warum-zaehlt-die-oecd-mehr-als-junge-familien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/?p=830","title":{"rendered":"Warum z\u00e4hlt die OECD mehr als junge Familien?"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/recha-oktaviani-h2aDKwigQeA-unsplash-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/recha-oktaviani-h2aDKwigQeA-unsplash-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-833\" srcset=\"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/recha-oktaviani-h2aDKwigQeA-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/recha-oktaviani-h2aDKwigQeA-unsplash-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/recha-oktaviani-h2aDKwigQeA-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/recha-oktaviani-h2aDKwigQeA-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/recha-oktaviani-h2aDKwigQeA-unsplash-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bild:\u00a0Recha Oktaviani\u00a0\/\u00a0Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Sehr geehrte kantonale Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren,<\/p>\n\n\n\n<p>Finanzministerin Karin Keller-Sutter hat vor drei Wochen ihren Vorschlag f\u00fcr das Bundesgesetz zur Individualbesteuerung vorgestellt. Der Bundesr\u00e4tin und ihrem Team ist es gelungen, ein fein austariertes Modell zu erarbeiten, das diverse Anliegen der Vernehmlassungen aufnimmt. Dass ihre Pr\u00e4sentation nicht von \u00fcberschw\u00e4nglicher Begeisterung gepr\u00e4gt war, obwohl sich hier ein lang ersehnter Epochenwechsel abzeichnet, d\u00fcrfte massgeblich mit der langen Umsetzungsphase zusammenh\u00e4ngen, welche die Kantone einfordern. Sie, gesch\u00e4tzte Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren, liessen verlauten, dass sie f\u00fcr eine Umstellung Zeit br\u00e4uchten.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Viel Zeit. Ganze zehn Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei beweisen Sie aktuell, dass es anders geht: Bei der OECD-Mindestbesteuerung sind Sie rasant unterwegs: Nicht mehr als zwei Jahre dauert die Umsetzung. Und selbst beim extrem aufwendigen Wechsel von der zweij\u00e4hrigen Vergangenheitsbemessung zur einj\u00e4hrigen Gegenwartsbemessung, welche die Zahl der zu verarbeitenden Dossiers in den Steuerverwaltungen auf einen Schlag verdoppelte, wurde die \u00dcbergangsfrist nur auf acht Jahre angesetzt. Lange bevor die Digitalisierung in der Steuerverwaltung Einzug hielt. Diese Beispiele zeigen: Wenn international Druck gemacht wird oder die Kantone selbst ein grosses Interesse an einer raschen Umsetzung haben, geht es sehr schnell.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Individualbesteuerung, einem wichtigen Anliegen der Bev\u00f6lkerung, insbesondere sehr vieler Frauen im Land, ist Ihr Aufst\u00f6hnen jedoch bis nach Bundesbern h\u00f6rbar.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Die anderen ernten die Fr\u00fcchte<\/h4>\n\n\n\n<p>Ich habe ja ein gewisses Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Ihren \u00c4rger. Betriebsumstellungen machen immer \u00c4rger, und ja, die Zahl der Dossiers nimmt zu. Und es ist auch unfair: Sie haben nichts als Aufwand \u2013 w\u00e4hrend ihre Kolleginnen und Kollegen in den Volkswirtschafts- und Sozialdepartements die Fr\u00fcchte ernten: mehr Besch\u00e4ftigte, finanziell unabh\u00e4ngigere Frauen und langfristig tiefere Erg\u00e4nzungsleistungen, weil f\u00fcr das Alter sowie bei einer Scheidung besser vorgesorgt wird. Denn die Individualbesteuerung sorgt daf\u00fcr, dass sich bei Ehepaaren ein zweites Einkommen mehr lohnt \u2013 besonders f\u00fcr junge Familien, denen neben Kitakosten und Steuern oft Ende Monat kaum etwas davon bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Reform ist sinnvoll, denn unsere Volkswirtschaft ringt schon jetzt um Fachkr\u00e4fte. Mit der Pensionierung der Babyboomer wird sich die Situation weiter zuspitzen. Eine Individualbesteuerung \u2013 das zeigen volkswirtschaftliche Sch\u00e4tzungen \u2013 wird aufgrund besserer Erwerbsanreize rund 50&#8217;000 Vollzeitbesch\u00e4ftigte zus\u00e4tzlich motivieren. Das sind Zehntausende, welche heute nicht erwerbst\u00e4tig sind und wieder einsteigen. Und Zehntausende, die ihre Pensen erh\u00f6hen. Weil sich das endlich auch finanziell auszahlt. Um es in einer Sprache zu sagen, die man in der Schweiz gut versteht: Erwerbsarbeit muss und wird sich lohnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich ist dies ein Anliegen, das in der Schweiz alle politischen Richtungen teilen. Und dennoch. Noch vor 10 Jahren wollten die damalige CVP und die SVP ein Verbot der Individualbesteuerung in die Verfassung schreiben oder Geld f\u00fcr nicht erwerbst\u00e4tige Ehefrauen mobilisieren: ganz im Sinne eines Ideals der treu sorgenden Mutter und finanziell abh\u00e4ngigen Ehefrau. CVP und SVP sind die Parteien, die bis heute viele von Ihnen, gesch\u00e4tzte Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren, stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Heute ist eine andere Zeit. Und ich bin \u00fcberzeugt, gesch\u00e4tzte Damen und Herren, Sie k\u00f6nnen zur treibenden Kraft der Ver\u00e4nderung werden! Ihrer Steuerverwaltung k\u00f6nnen Sie mit gutem Gewissen auch b\u00fcrokratische Entlastungen versprechen: Mit der Individualbesteuerung m\u00fcssten Sie in Zukunft nicht mehr Einzelpersonen zu Dossiers zusammenf\u00fchren, wenn sie heiraten, um diese dann in 50 Prozent der F\u00e4lle wieder aufzutrennen, wenn die Scheidung erfolgt. Es ist denn auch wenig \u00fcberraschend, dass die allermeisten europ\u00e4ischen Staaten immer schon oder l\u00e4ngst die Individualbesteuerung kennen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>National- und St\u00e4nderat haben die Individualbesteuerung inzwischen dreimal (!) in Auftrag gegeben. Hinzu kam eine \u00fcberparteilich gesammelte Volksinitiative unter dem Lead der FDP-Frauen. Geben Sie sich einen Ruck, gesch\u00e4tzte Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren. F\u00fcr einmal kommt der Reformdruck nicht von der OECD, sondern von vielen Schweizer Paaren \u2013 insbesondere jungen Familien, welche gerne mehr erwerbst\u00e4tig w\u00e4ren, wenn sich dies denn lohnen w\u00fcrde. Diesem Druck nachzugeben, ist doch sogar ungleich sch\u00f6ner als dem internationaler Steuerkommiss\u00e4re.<\/p>\n\n\n\n<p>Freundliche Gr\u00fcsse<\/p>\n\n\n\n<p>Kathrin Bertschy<\/p>\n\n\n\n<p><em>Diese Kolumne erschien am 12.03.2024 im Tages-Anzeiger.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-white-color has-vivid-cyan-blue-background-color has-text-color has-background wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/?page_id=709\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zu allen Kolumnen<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte kantonale Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren, Finanzministerin Karin Keller-Sutter hat vor drei Wochen ihren Vorschlag f\u00fcr das Bundesgesetz zur Individualbesteuerung vorgestellt. 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