{"id":814,"date":"2023-11-21T17:29:58","date_gmt":"2023-11-21T17:29:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/?p=814"},"modified":"2023-11-22T17:31:29","modified_gmt":"2023-11-22T17:31:29","slug":"wir-kommen-um-schwierige-entscheide-nicht-herum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/?p=814","title":{"rendered":"Wir kommen um schwierige Entscheide nicht herum"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Wenn die Politik den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern verspricht, dass sie alles haben k\u00f6nnen, sollten wir wachsam bleiben. Schutz vor Reformen, vor Migration, vor jedweder Ver\u00e4nderung \u2013 das kann nicht aufgehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/ansgar-scheffold-0eEbHHyMFIY-unsplash-scaled.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/ansgar-scheffold-0eEbHHyMFIY-unsplash-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-815\" srcset=\"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/ansgar-scheffold-0eEbHHyMFIY-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/ansgar-scheffold-0eEbHHyMFIY-unsplash-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/ansgar-scheffold-0eEbHHyMFIY-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/ansgar-scheffold-0eEbHHyMFIY-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/ansgar-scheffold-0eEbHHyMFIY-unsplash-2048x1365.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bild:\u00a0Ansgar Scheffold\u00a0\/\u00a0Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Liebe Stimmbev\u00f6lkerung,&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>die Wahlen sind vorbei, seit Sonntag haben wir eine neue Bundesversammlung. Ein Signal, das die Menschen im Land an die Politik gegeben haben, scheint mir klar: die Sorge um wirtschaftliche Schwierigkeiten und die Furcht vor allzu viel Ver\u00e4nderung. Zugelegt haben jene Parteien, die den W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hlern \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesanzeiger.ch\/wahlen-2023-politologe-michael-hermann-zum-rechtsruck-527504465583\">wie der Politologe Michael Hermann bilanzierte<\/a>\u00a0\u2013 Schutz versprechen, vor hohen Kosten (SP) und vor Migration (SVP, MCG).\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Bed\u00fcrfnis nach Schutz ist angesichts der Krisenzeiten verst\u00e4ndlich. Viele Menschen arbeiten hart, und insbesondere auf Familien lastet ein grosser Druck. Da ist es verlockend, wenn einem das Weggli \u2013 mehr Sozialleistungen \u2013 und der 5er \u2013 weniger Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt \u2013 versprochen werden. Und dazu noch die B\u00e4ckerstochter. Die Sache ist nur: Das Weggli muss zuerst gebacken und der Franken verdient werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Oder, konkret gesagt: Wir k\u00f6nnen nicht auf Migration verzichten, keine Abkommen mit der EU wollen, erwerbst\u00e4tige Frauen nicht unterst\u00fctzen \u2013 und dann gleichzeitig die Sozialleistungen ausbauen. Wir werden nicht darum herumkommen, Entscheide zu f\u00e4llen. Die immer auch einen Preis haben.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>AHV und berufliche Vorsorge m\u00fcssen reformiert werden<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die in der Schweiz vergleichsweise guten Sozialleistungen m\u00fcssen erst erwirtschaftet werden. Wir m\u00fcssen unsere Sozialwerke reformieren, wenn wir wollen, dass sie auch k\u00fcnftig denen zugutekommen, die sie am dringendsten brauchen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sollten beispielsweise die berufliche Vorsorge so erneuern, dass die Menschen mehr ansparen k\u00f6nnen und auch Teilzeitarbeit besser abgesichert ist. Doch die Reform st\u00f6sst auf Skepsis. Stattdessen lockt die 13. AHV-Rente f\u00fcr alle \u2013 ausgerechnet dann, wenn die geburtenst\u00e4rksten Jahrg\u00e4nge der goldenen Boomerjahre in Rente gehen. Ja, die AHV sollte die Existenz sichern, und ja, sie tut das heute bei den tiefen Einkommen allzu oft nicht. Das ist tats\u00e4chlich ein Problem. Wir sollten darum gezielt die tiefen AHV-Renten erh\u00f6hen, Vorst\u00f6sse dazu gibt es. Das bedeutet aber eben nicht, dass auch der Million\u00e4r vom Z\u00fcrichsee eine Erh\u00f6hung um 1\/13 braucht, nur weil dieses Weggli einfacher zu verkaufen ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Wir bleiben auf Migration angewiesen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p>Die Schweiz verdankt ihren Wohlstand auch der Tatsache, dass sie mitten in Europa liegt und Fachkr\u00e4fte aus vielen L\u00e4ndern unseren Wirtschaftsmotor in Gang halten. Unser Land st\u00fcnde heute still ohne die vielen Zugezogenen, die ihr Fachwissen und ihr K\u00f6nnen mit ins Land bringen. Wir sind auch in Zukunft auf sie angewiesen. Stattdessen macht man sie daf\u00fcr verantwortlich, dass der Wohnraum knapp wird und der Verkehr stockt, und will die Migration begrenzen. Bis 2040 fehlen im Arbeitsmarkt gesch\u00e4tzt 400\u2019000 Berufsleute. Unternehmen verschiedenster Branchen haben bereits jetzt Schwierigkeiten, Personal zu finden.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch hier stehen wir vor derselben Situation: Die erw\u00e4hnten geburtenstarken Jahrg\u00e4nge, die jetzt in Pension gehen, werden in 10 bis 20 Jahren einen h\u00f6heren Bedarf an Gesundheits- und Pflegepersonal haben. Personal, welches wir erst noch ausbilden m\u00fcssen. Dasselbe bei den Infrastrukturen: Wollen wir auf einheimischen Strom setzen, k\u00f6nnen die Infrastrukturen im Moment gar nicht \u00fcberall gebaut werden, weil es auf allen Baustellen an Fachleuten fehlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was die bewahrenden Kr\u00e4fte dann allerdings gleichzeitig auch nicht wollen: die erwerbst\u00e4tigen M\u00fctter des Landes allzu sehr unterst\u00fctzen. Und damit w\u00e4ren wir bei der B\u00e4ckerstochter.<\/p>\n\n\n\n<p>B\u00fcrgerlich-Konservative, die sich gern als wirtschaftsnah verkaufen, haben M\u00fche damit, von der F\u00f6rderung des Familienmodells der Nachkriegszeit wegzukommen. Das gr\u00f6sste nicht genutzte Potenzial liegt in der Schweiz bei den Frauen. Sie k\u00f6nnen allzu oft nicht so hochprozentig erwerbst\u00e4tig sein, wie sie das gern w\u00e4ren \u2013 weil die Strukturen nicht ausreichen, weil die privaten Anforderungen an M\u00fctter noch immer zu hoch sind und weil alle Anreize dagegen sprechen, dass sie anst\u00e4ndiges Geld verdienen.<\/p>\n\n\n\n<p>Fl\u00e4chendeckende Tagesstrukturen und Individualbesteuerung sind noch lange keine Realit\u00e4t, Kinderbetreuung ist nach wie vor nicht erschwinglich, Elternzeit bleibt Frauensache: Wir erhalten s\u00e4mtliche H\u00fcrden aufrecht, die Frauen davon abhalten, \u00fcberhaupt oder in h\u00f6heren Pensen erwerbst\u00e4tig zu sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei allem guten Willen: Das kann so nicht aufgehen. Wenn wir uns vor Entscheiden dr\u00fccken, wo wir nun investieren wollen und welchen Preis wir zu zahlen bereit sind, wird uns am Schluss alles zwischen den Fingern zerrinnen: Der F\u00fcnfer fehlt in der Kasse, das Weggli bleibt Teig, und die B\u00e4ckerstochter bricht ersch\u00f6pft zusammen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit nachdenklichen Gr\u00fcssen<\/p>\n\n\n\n<p>Kathrin Bertschy<\/p>\n\n\n\n<p><em>Diese Kolumne erschien am 21.11.2023 im Tages-Anzeiger.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-white-color has-vivid-cyan-blue-background-color has-text-color has-background wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/?page_id=709\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zu allen Kolumnen<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn die Politik den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern verspricht, dass sie alles haben k\u00f6nnen, sollten wir wachsam bleiben. 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