{"id":779,"date":"2023-09-12T10:22:20","date_gmt":"2023-09-12T10:22:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/?p=779"},"modified":"2023-10-30T10:32:28","modified_gmt":"2023-10-30T10:32:28","slug":"helvetia-ruft-sorgen-wir-fuer-vielfalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/?p=779","title":{"rendered":"Helvetia ruft \u2013 sorgen wir f\u00fcr Vielfalt!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">In der Schweiz hat die Stimmbev\u00f6lkerung so viel Mitsprache wie nirgendwo sonst. Doch unsere Demokratie ist aber nur so gut, wie sie auch tats\u00e4chlich die Bev\u00f6lkerung repr\u00e4sentiert.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"http:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/helvetia-ruft-logo-3.jpg\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"http:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/helvetia-ruft-logo-3-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-780\" srcset=\"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/helvetia-ruft-logo-3-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/helvetia-ruft-logo-3-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/helvetia-ruft-logo-3-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/helvetia-ruft-logo-3-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/09\/helvetia-ruft-logo-3.jpg 1920w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Bild: Helvetia ruft<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<div style=\"height:10px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Gesch\u00e4tzte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger,<\/p>\n\n\n\n<p>Herzlichen Gl\u00fcckwunsch. Wir feiern heute den 175. Jahrestag der modernen Verfassung. Diese definierte das neue Parlament als oberste Gewalt des Bundes und setzte eine demokratische Grundordnung mit Gewaltentrennung, Exekutive, Zweikammerparlament, Grundrechten und freien Wahlen ein.<\/p>\n\n\n\n<p>In 40 Tagen werden Sie die Volksvertreterinnen und -vertreter neu und wieder w\u00e4hlen. Wobei, einige stehen jetzt schon fest: Die St\u00e4nder\u00e4te in Obwalden und Uri wurden in aller Stille gew\u00e4hlt \u2013 niemand ist gegen sie angetreten. Das spricht vermutlich f\u00fcr ihre Arbeit in Bundesbern. Demokratiepolitisch ist es aber bedauerlich. Unser Milizsystem braucht politische Vorbilder, die kandidieren und andere motivieren, es ihnen gleichzutun: von der Schulpflege \u00fcber den Gemeinderat bis ins Bundeshaus. Der Politikwissenschafter Fabrizio Gilardi hat aufgezeigt, wie wichtig dieser Effekt ist, damit insbesondere auch mehr Frauen in die Politik einsteigen. Seit 1848 gab es erst 45 Standesvertreterinnen in Bundesbern. Weniger, als der Rat Mitglieder z\u00e4hlt. Und bereits 853 St\u00e4nder\u00e4te.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Warum uns das nicht egal sein darf?<\/p>\n\n\n\n<p>Weil die Qualit\u00e4t der Demokratie und die Gesetzgebung, welche das Zusammenleben von uns allen pr\u00e4gt, besser und nachhaltiger ausf\u00e4llt, wenn sie von einem Team mit einer Vielfalt an Perspektiven getroffen wird. Das gilt in der Wirtschaft, in Vereinen und in der Politik. Und es ist der Grundgedanke unserer Konkordanz. Sprachen und Regionen sind daf\u00fcr wichtige Faktoren, aber nicht die einzigen. Die Bev\u00f6lkerung soll sich mit politischen Gremien und deren Entscheidungen identifizieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht dass die M\u00e4nner, die den St\u00e4nderat seit 175 Jahren dominieren, schlechte Politik machen. Sie haben aber oft eine andere Perspektive, andere Rollen im Leben und legen die Schwerpunkte auch so. Die wenigsten amtierenden St\u00e4nder\u00e4te \u2013 es sind immer noch 72 Prozent M\u00e4nner \u2013 wissen, was ein Kitaplatz kostet. Haben sich \u00fcber mehrere Monate am St\u00fcck um einen S\u00e4ugling gek\u00fcmmert. Die Unsicherheit bei der R\u00fcckkehr an den Arbeitsplatz erlebt, Teilzeit gearbeitet, kaum f\u00fcrs Alter vorgesorgt oder sind an Endometriose oder einer anderen kaum erforschten Frauenkrankheit erkrankt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In all diesen Fragen stellt die Politik die Weichen. Mit der besseren Repr\u00e4sentation der Geschlechter haben wir in der laufenden Legislatur vieles erreicht: Das moral- und sittenbehaftete Sexualstrafrecht wurde modernisiert, der Nationalrat hat ein Kita-Gesetz zur Unterst\u00fctzung erwerbst\u00e4tiger Eltern aufgegleist, der Bundesrat muss eine Botschaft zur zivilstandsunabh\u00e4ngigen Besteuerung vorlegen, und es liegt ein Auftrag f\u00fcr die bessere Erforschung von Frauenkrankheiten vor. Es sind Selbstverst\u00e4ndlichkeiten, wenn wir ins nahe Ausland schauen. Bei uns sind das politische Anliegen, die es schwer haben. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die betroffenen Bev\u00f6lkerungsgruppen kaum im Rat vertreten sind.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In L\u00e4ndern mit einem Mehrheitssystem ist die Regierung viel eher gezwungen, auf gesellschaftliche Bed\u00fcrfnisse und Ver\u00e4nderungen zu reagieren. Und tut das auch: Spanien hat flugs eine Elternzeit von je 18 Wochen eingef\u00fchrt, Deutschland die Ehe f\u00fcr alle z\u00fcgig ge\u00f6ffnet, ohne dass daf\u00fcr lange parlamentarische und f\u00f6deralistische Prozesse notwendig waren. Gute Argumente also, um auf ein Mehrheitssystem zu wechseln? Die Verantwortung w\u00e4re klar definiert. F\u00fcr W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler w\u00fcrde klar ersichtlich, wer gute Arbeit leistet und wer an ihren Interessen vorbeipolitisiert. Bei den Wahlen k\u00f6nnte die Regierung entsprechend belohnt oder abgestraft werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Schweizer System fehlt diese Unmittelbarkeit. Die meisten Parteien sind zeitgleich in der Regierung und der Opposition. Und selbst Parteien ohne Bundesratssitz haben die M\u00f6glichkeit, im Parlament auch mal zur Mehrheit zu geh\u00f6ren und etwas zu ver\u00e4ndern. Alle Gew\u00e4hlten k\u00f6nnen konstruktiv etwas bewegen und sind erst noch mit einem Bein im Beruf verankert.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Gerade weil bei uns nicht wechselnde Perspektiven an die Macht kommen, ist es umso wichtiger, dass unsere Entscheidungsgremien die Bev\u00f6lkerung gut repr\u00e4sentieren. Die Perspektive von Frauen, von Menschen mit Migrationsherkunft und von Eltern, die mitten im Leben stehen und beruflich wie famili\u00e4r stark eingespannt sind, ist heute untervertreten. Die Wirtschaft besteht zudem nicht nur aus selbstst\u00e4ndigen Anw\u00e4lten, Bauern und Verbandsfunktion\u00e4ren, welche heute viele Sitze besetzen. Operativ t\u00e4tige KMU-Unternehmerinnen und -Unternehmer sind genauso wichtig \u2013 und vergleichsweise rar.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben die Wahl, gesch\u00e4tzte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger! Als Co-Initiantin der \u00fcberparteilichen Bewegung Helvetia ruft! liegt mir eine repr\u00e4sentative Vertretung der Frauen nat\u00fcrlich besonders am Herzen. Ich bin mir aber bewusst, dass Repr\u00e4sentativit\u00e4t viele Aspekte hat. Deshalb mein Aufruf an Sie: Unabh\u00e4ngig davon, welche Parteien Sie w\u00e4hlen, achten Sie darauf, der Vielfalt unserer Gesellschaft und damit unserem Sonderfall Rechnung zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit freundlichen Gr\u00fcssen, Kathrin Bertschy<\/p>\n\n\n\n<p><em>Diese Kolumne erschien am 12.09.2023 im Tages-Anzeiger.<\/em><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-white-color has-vivid-cyan-blue-background-color has-text-color has-background wp-element-button\" href=\"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/?page_id=709\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Zu allen Kolumnen<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Schweiz hat die Stimmbev\u00f6lkerung so viel Mitsprache wie nirgendwo sonst. Doch unsere Demokratie ist aber nur so gut, wie sie auch tats\u00e4chlich die Bev\u00f6lkerung repr\u00e4sentiert. Gesch\u00e4tzte B\u00fcrgerinnen und &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":780,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[80],"tags":[26],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/779"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=779"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/779\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":799,"href":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/779\/revisions\/799"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kathrinbertschy.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}